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Von Aarau nach Westafrika

22. Juli 2024

Für die 26-jährige Ana Petric, Dipl. Radiologiefachfrau am Institut für Radiologie am KSA Aarau, ging Ende letzten Jahres mit einem dreiwöchigen Einsatz für ein Hilfsprojekt in Guinea ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Ein Bericht über ihre Arbeit in Westafrika, bleibende Erinnerungen und wie sie das Land und seine Menschen erlebte.

  • Autor / Autorin KSA
  • Lesedauer ca. 5 Minuten
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Es ist ein sonniger Oktobertag. Für Ana Petric beginnt der Arbeitstag um 8 Uhr. Aber der Tag ist ganz anders als ihr Alltag in der Schweiz. Er beginnt im Centre Hospitalier Régional Spécialisé (CHRS) in Macenta, Guinea. «Am Anfang war ich schon nervös», sagt Petric.

Der Traum, an einem sozialen Hilfsprojekt mitzuarbeiten, begleitet sie schon lange. «Als Radiologiefachfrau ist es nicht einfach, solche Einsätze zu finden», erklärt sie. Meistens werden diplomierte Pflegefachpersonen gesucht. Als sich im vergangenen Sommer die Gelegenheit für einen humanitären Einsatz in Guinea bot, zögerte sie nicht lange.

Eine herausfordernde Aufgabe

Schon an ihrem ersten Arbeitstag wurde viel von Petric abverlangt. Nach dem zweistündigen Morgenrapport lernte sie die verschiedenen Abteilungen des Spitals kennen und wurde von den Mitarbeitenden vor Ort zu verschiedensten Themen befragt. Auch ein Besuch beim Stadtgouverneur stand auf dem Programm. Ausserdem lernte sie die drei Mitarbeiter der Röntgenabteilung des Spitals kennen. Zwei von ihnen arbeiten schon seit über 30 Jahren dort, der dritte ist ein junger Auszubildender. Petrics Hauptaufgabe im Rahmen ihres Einsatzes war es, die drei Mitarbeiter im Umgang mit dem neuen Röntgengerät zu schulen.

Anfangs war sie etwas skeptisch, wie die drei Männer auf sie reagieren würden: «Ich bin eine weisse Frau aus einer völlig anderen Kultur, die ihnen etwas beibringen will. Das ist für sie alles andere als alltäglich», erklärt sie. Doch die drei Männer waren stets respektvoll, offen und sehr dankbar für die Unterstützung. Petric kannte die Software des Geräts bereits von ihrer Arbeit im KSA Kinderspital, was ihr die Aufgabe erleichterte.

Ana Petric mit den drei Kollegen der Röntgenabteilung im CHRS
Ana Petric mit den drei Kollegen der Röntgenabteilung im CHRS

Sprachbarrieren überwinden

Petric hätte nie gedacht, dass sie ihr Französisch aus der Schulzeit noch einmal brauchen würde. Doch in Guinea wurde es unentbehrlich. «Ich habe mir kurz vor dem Einsatz ein 'Überlebensfranzösisch' angeeignet», sagt sie. «Mit einem Online-Übersetzungstool, Händen und Füssen, viel Geduld und einer Prise Humor hat die Verständigung gut geklappt.» Am Ende hielt sie sogar eine Präsentation in Französisch vor verschiedenen Mitarbeitenden des Spitals. Neben der Sprache waren vor allem ihre Ausbildung als Radiologiefachfrau sowie ihre Berufserfahrungen für den Einsatz sehr wichtig: «In meiner Ausbildung wurde viel Wert auf die Einstellungsmöglichkeiten der Röntgengeräte gelegt. Das kam mir in Guinea zugute.»

Präsentation am letzten Tag ihres humanitären Einsatzes
Präsentation am letzten Tag ihres humanitären Einsatzes

Eine unvergessliche Erfahrung

Obwohl Petric wusste, dass Guinea eines der ärmsten Länder der Welt ist, konnte sie sich nicht genau vorstellen, wie es ist, eine Zeit lang dort zu leben. «Ich habe viel Leid gesehen, viele kranke Menschen, viel Armut», sagt sie. Manchmal verkaufen die Menschen ihr Hab und Gut, um sich eine Behandlung im Krankenhaus leisten zu können. «Trotzdem sind alle unglaublich dankbar, sie waren nie ungeduldig, wenn sie warten mussten.»

Nach drei Wochen in Guinea musste sich Petric von ihren neuen Kollegen verabschieden. Doch ihr nächster humanitärer Einsatz steht schon fest. Im Herbst dieses Jahres wird sie erneut nach Guinea reisen, um ein Digitalisierungsprojekt im selben Spital voranzutreiben. «Ich habe immer noch Kontakt zu vielen Mitarbeitenden des Spitals und freue mich darauf, sie wiederzusehen und dieses wichtige Hilfsprojekt weiter unterstützen zu dürfen».

Wir wünschen ihr schon jetzt viel Erfolg und unvergessliche Begegnungen.

Das alte und das neue Röntgengerät
Das alte und das neue Röntgengerät
Trotz des grossen Leids sind die Menschen unglaublich dankbar.

Über das Centre Hospitalier Régional Spécialisé in Macenta, Guinea

Das CHRS ist ein regionales Spital für chronische Infektionskrankheiten (z. B. HIV, Tuberkulose und Lepra) und chronische, nicht übertragbare Krankheiten (z. B. Diabetes und Epilepsie). Es wurde 1981 von der Schweizer Organisation für Entwicklungszusammenarbeit (SAM) gegründet. Im Herbst 2023 konnte durch Spendenbeiträge ein neues Röntgengerät angeschafft werden, das schnellere und präzisere Diagnosen ermöglicht und so die Behandlungsqualität erheblich verbessert. Der Kontakt zum Spital kam über Dr. David Leuenberger, ehem. Oberarzt Innere Medizin am KSA, zustande. Er leistete mehrere humanitäre Einsätze in diesem Spital, initiierte dann vor drei Jahren die Spendenaktion und zog für die Geräteauswahl die Expertise der Radiologie des KSA bei.

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